Phonetik und Phonologie

 

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Phonetik und Phonologie der deutschen Sprache

Themen der Vorlesungen

  1. Phonetik und Phonologie

  2. Beziehung der Phonetik zu anderen Wissenschaften

  3. Formen der Kommunikation

  4. Kommunikationsmodell

  5. Phonologische Opposition, Minimalpaar

  6. Laut vs. Phonem, Phon, Allophon

  7. Phonologische Transkription

  8. Das Vokalsystem

  9. Das Konsonantensystem

  10. Vokalviereck

  11. Genormte Lautung

  12. Ungenormte Lautung

  13. Prosodische Eigenschaften

und weitere Themen

 

Literatur

Balser-Eberle, V.: Sprechtechnisches Übungsbuch. Bundesverlag. Wien 1992.

Breitung, H. (Hg.): Phonetik, Intonation, Kommunikation. Goethe-Institut. München 1994.

Dieling, H.; Hischfeld, U.: Phonetik lehren und lernen. Langenscheidt. Berlin 2000.

Glück, H.: Metzler Lexikon Sprache. Verlag J. B. Metzler. Stuttgart, Weimar 2000.

Göbel, H. u.a.: Ausspracheschulung Deutsch. Inter nationes. Köln 1986.

Hakkarainen, H.J.: Phonetik des Deutschen. Wilhelm Fink Verlag. München 1995.

Hischfeld, U.: Phonothek. Langenscheidt. Berlin 2000.

Pompino – Marschall, B.: Einführung in die Phonetik. Walter de Gruyter. Berlin, New York 1995.

Povejšil, J.: Mluvnice souèasné nìmèiny. Academia. Praha 1992. S. 11-48.

Romportl, M.: Nástin fonetiky jazyka nìmeckého. SPN. Praha 1969.

Romportl, M.: Základy fonetiky. SPN. Praha 1981.

Das Aussprachewörterbuch, Duden Bd. 6. Mannheim 1990                u.a.

 

Internet

http://www.kontrastivlinguistik.de/

http://www.linse.uni-essen.de/              u.a.  

 


Kurze Übersicht

 

 Wozu dient Phonetik?

Was ist die Sprache?

        Verständigungsmittel

        Verständigung        - mündlich, schriftlich

-        Zeichen

-        nonverbale Kommunikation

Formen der Sprache (Vor- und Nachteile)

        mündliche Form

        schriftliche Form

 

Kommunikationsmodell

Pragmatisches Kommunikationsmodell

 Bild aus: Pragmatisches Kommunikationsmodell (Linke/Nussbaumer/Portmann 1991: 173

 

        schriftlich X mündlich

        Fehler:   in der Kodierung

                        in der Dekodierung

                        im Kanal (Störungen)

                → Missverständnisse...

mündliche Form der Sprache – spezielle Mittel

 

Transkription

= takový systém grafického pøepisu, kde téže hlásce odpovídá vždy jeden a tentýž grafický znak a témuž znaku odpovídá vždy pouze jediná hláska

-        nationale Transkription X internationale Transkription

 

Phonetik X Phonologie

-        Phonologie – zkoumá zvukové prostøedky jazyka a jejich soustavu, systém. Základní jednotkou fonologie je foném.

-        Phonem – die kleinste Einheit der Sprache, die eine Fähigkeit hat, die Bedeutung zu ändern

z.B.: Gut x Mut x Wut

-        Laut – hláska

 

phonologische Opposition – das phonologische Merkmal, phonologisch relevante Eigenschaft

 

Minimalpaar – zwei bedeutungsverschiedene Wörter oder Morpheme einer Sprache, die sich lediglich in einem Phonem unterscheiden z.B.: Tisch – Fisch...

 

Phoneminventar – vorkommend ermittelte Phoneme

 

Phon – Realisation eines Phonems

 

Allophon – Phonemvariante; phonetische Variante der Realisierung eines Phonems

        a) freie Varianten - unabhängig von der Umgebung

        b) kombinatorische Varianten - stellungsbedingte Varianten

        c) Orthophon

 

Beziehung der Phonetik zu anderen Wissenschaften:

-        Linguistik  - Teildisziplin der Linguistik

-        Grammatik –das Blickfeld ist anders

-        Anatomie, Physiologie – Theorie der Reflexen für Phonetik sehr wichtig

-        Logopädie, Phoniatrie Akustik – Lehre vom Schall; mit Phonetik eng verbunden

-        Kommunikationstechnik

-        Psychologie

-        Didaktik – Fremdsprachenerwerb, Fremdsprachenlernen...

-        Geschichte – eigene Geschichte

 

Akustische Phonetik

-         Was ist eigentlich Schall? bzw. das von uns auditiv Wahrgenommene?

-         die Grundbegriffe von der physikalischen Disziplin „Akustik“

-         Akustik befasst sich mit den Schwingungsvorgängen in elastischen Körpern

-         Schall (zvuk) = die von uns auditiv wahrnehmbaren minimalen Luftdruckschwinkungen

 

-         wahrnehmbar = die Geschwindigkeit dieser Schwingungen (kmitání) 20 bis 20 000 in der Sekunde, d.h. Frequenz zwischen 20 Hz und 20 kHz

-         die am besten wahrnehmbaren Frequenzen liegen um 3500 Hz

 

-         die Schallschwingungen:

§       Töne (tón) – reine Sinoidal- oder Pendelschwingungen (kyvadlový)

§       Klänge (zvuk) – Schwingungen, die aus einzelnen Sinoidalschwingungen zusammengesetzt sind; die Einzelkomponenten stehen in einem harmonischen Verhältnis

§       Geräusche (šum, šelest) – aperiodische, statistisch zufällige Abfolge von Amplitudenwerten über die Zeit

 

-         zur  Kennzeichnung einer Sinoidalschwingung genügen drei Parameterwerte: Amplitude, Frequenz, Phase

 

-         Bei Rohschallerzeugung unterscheidet man:

§       die stimmhaften, periodischen Sprachsignalanteile – entstehen mithilfe der Glottis

§       die stimmlosen Laute – an der Glottis oder an beliebigen Stellen des Ansatzrohres

§         die stimmhaften Frikative – beide Prozesse bei der Erzeugung zusammen

 



Detaillierte Übersicht

 

mündliche Form der Sprache – spezielle Mittel – Intonation, Akzent, Tempo...

         diese Mittel in der schriftlichen Form nicht – wurden durch spezielle Zeichen ersetzt – Fragezeichen usw. und neu durch die „Smileys“ ersetzt

         Smileys – ersetzen auch Gefühle (Ironie, Lachen, Freude u.a.)

 

 Transkription

-         wir brauchen, die Lautform der Sprache in der graphischen Form zu notieren

-         die graphische Form ist anders als die akustische Form der Sprache

z.B. „graphisch“ ph – f

-         im Englischen – bedeutend; (Chinesisch – ein Zeichen ist nicht eine Lauteinheit, sondern eine Bedeutungseinheit)

-         tschechische Schrift – nicht phonetisch, sondern nach dem morphologischen Prinzip – dítì – dìtství x „dìctví“ x dìcko – phonethisches Prinzip

 

= fonetická transkripce = takový systém grafického pøepisu, kde téže hlásce odpovídá vždy jeden a tentýž grafický znak a témuž znaku odpovídá vždy pouze jediná hláska

 

-         in eckigen Klammern chytrý -  [xitrí], zpìv - [spjef] usw.

 

-         es gibt eine nationale Transkription – auf Grund der Grafik der Sprache (z.B russische Transkription – auf Grund der kyrillischen Schrift)

-         X internationale Transkription – nötig; z.B. Länge – Doppelpunkt hinter dem langen Vokal usw.

-         Betonung – in beiden System gleich – mit einem kurzen Strich vor der Silbe, die die Betonung trägt

 

Aus: http://www.phonetik.uni-muenchen.de/Lehre/Skripten/TRANS2/pics/ipapart_klein.gif

 

 

Phonetik X Phonologie

-         Phonetik – beschäftigt sich nicht mit der Funktion der Laute – im Gegensatz zur Fonologie

-         Phonologie – zkoumá zvukové prostøedky jazyka a jejich soustavu, systém. Základní jednotkou fonologie je foném.

-         Phonologie (Metzler) – funktionale Phonetik; Ziel der phonologischen Analyse bildet die Erstellung des Phonemsystems einer Sprache auf der Grundlage der Minimalpaare (= der phonologischen Opposition)

-         Phonem – die kleinste Einheit der Sprache, die eine Fähigkeit hat, die Bedeutung zu ändern

z.B.: Gut x Mut x Wut

-         Laut – hláska; „das mit dem Gehör Wahrnehmbare“; die kleinste zeitlich sequentielle, artikulatorisch minimale Analyseeinheit einer lautsprachlichen Äußerung, die nach artikulatorischen und akustischen Parametern näher beschrieben und klassifiziert werden kann - Phonetik

 

 

phonologische Opposition – das phonologische Merkmal, phonologisch relevante Eigenschaft

 

Minimalpaar – zwei bedeutungsverschiedene Wörter oder Morpheme einer Sprache, die sich lediglich in einem Phonem unterscheiden z.B.: Tisch – Fisch...

-         Minimalpaarebildung ist ein grundlegendes Verfahren zur Bestimmung des Phoneminventars einer Sprache

Phoneminventar – vorkommend ermittelte Phoneme, deren Anzahl für die bekannten Sprachen zwischen 13 und 75 variiert

Phon – Realisation eines Phonems; Realisierung – tatsächlich ausgesprochene Form eines Sprachlauts

 

Allophon – Phonemvariante; phonetische Variante der Realisierung eines Phonems

-         Allophone sind Varianten von einem Phonem

-         wir hören etwas anderes, die Bedeutung bleibt

-         man unterscheidet verschiedene Gruppen

§       freie Varianten (fakultative Varianten) – Realisierungsmöglichkeiten; unabhängig von der Umgebung (z.B. im Deutschen Zungen- und ZäpfenchenR) ZungenspitzenR – vibriert die Zungenspitze, ZäpfchenR – vibriert Zäpfchen (èípek)

§       kombinatorische Varianten (stellungsbedingte Varianten) – ch –[ç](ich-Laut), [x] (ach-Laut), [k]

§       Orthophon – bei jedem ist ein Laut ein bisschen anders, aber beides kann hochsprachlich sein

 

Beziehung der Phonetik zu anderen Wissenschaften:

-         Linguistik  - Teildisziplin der Linguistik; Phonetik hat von der Linguistik theoretische Grundlage

-         Grammatik – haben manche gemeinsame Forschungsobjekte, aber das Blickfeld ist anders, untersuchen die Problematik aus einer anderen Sicht

-         Anatomie, Physiologie – Theorie der Reflexen für Phonetik sehr wichtig

-         Logopädie, Phoniatrie – beschäftigen sich mit den Kommunikationsstörungen (Diagnose, Prävention...); Anwendung der theoretischen Prinzipien der Phonetik im praktischen Leben

-         Akustik – Lehre vom Schall; mit Phonetik eng verbunden

-         Kommunikationstechnik – Theorie der Kommunikation (Kommunikationsmodell...)

-         Psychologie – z.B. wenn man Probleme zu sprechen hat, hilft die Psychologie

-         Didaktik – Fremdsprachenerwerb, Fremdsprachenlernen...

-         Geschichte – wie eine andere Wissenschaft beschäftigt sich die Phonetik mit eigener Geschichte

 

Minimalpaar vs. phologische Oppsition

Phon vs. Phonem

 

Ein Minimalpaar besteht aus zwei Wörtern bzw. Wortformen verschiedener Bedeutung, die sich durch nur ein Phon in gleicher Position unterscheiden.

Erst dadurch, dass zwei Phone die Laute sind, in denen sich die beiden Wörter eines Minimalpaares unterscheiden, werden sie zu Phonemen.

Hiermit wird auch die phonologische Oppostion definiert; sie stellt eine paradigmatische Beziehung dar:

Sind zwei Phoneme die unterscheidenden Laute eines Minimalpaares, so stehen sie zueinander in direkter phonologischer Opposition.

Z.B. Streng genommen stehen im Deutschen also z.B.[ ] und [a] nicht in Opposition, da sie nie in den gleichen Positionen vorkommen.

 

Phon = minimale segmentale Analyseeinheit der deskriptiven Phonetik (Laut) als Realisation (Allophon) eines Phonems

 

Akustische Phonetik

 

-         Frage: Was ist eigentlich Schall? bzw. das von uns auditiv Wahrgenommene?

-         die Grundbegriffe hat die akustische Phonetik von der physikalischen Disziplin „Akustik“ = Teil der Mechanik

-         Akustik befasst sich mit den Schwingungsvorgängen in elastischen Körpern

-         Schall (zvuk) = physikalisch gesehen ist die von uns auditiv wahrnehmbaren minimalen Luftdruckschwinkungen

 

-         um wahrnehmbar zu sein, müssen diese Schwingungen (kmitání) die Geschwindigkeit 20 bis 20 000 in der Sekunde, d.h. Frequenz zwischen 20 Hz und 20 kHz

-         die am besten wahrnehmbaren Frequenzen liegen um 3500 Hz

-         als eine Schwingung muss das akustische Signal innerhalb eines Mediums verstanden werden (z.B. in der Luft)

 

-         die Schallschwingungen kann man in folgende Kategorien unterteilen:

§       Töne (tón) – reine Sinoidal- oder Pendelschwingungen (kyvadlový)

§       Klänge (zvuk) – Schwingungen, die aus einzelnen Sinoidalschwingungen zusammengesetzt sind; die Einzelkomponenten stehen in einem harmonischen Verhältnis

§       Geräusche (šum, šelest) – aperiodische, statistisch zufällige Abfolge von Amplitudenwerten über die Zeit

 

-         zur  Kennzeichnung einer Sinoidalschwingung genügen drei Parameterwerte: Amplitude, Frequenz, Phase

 

 

 

-         Bei Rohschallerzeugung unterscheidet man:

 

§       die stimmhaften, periodischen Sprachsignalanteile – entstehen mithilfe der Glottis

§       die stimmlosen Laute – an der Glottis oder an beliebigen Stellen des Ansatzrohres

§       die stimmhaften Frikative – beide Prozesse bei der Erzeugung zusammen

 

Physiologische Grundlagen des Sprechprozesses: Atmung, Phonation, Artikulation

-         mit der Sprachproduktion beschäftigt sich die artikulatorische Phonetik

-         beim Sprechen kommt zu verschiedenen Bewegungen

-         zu den Sprechbewegungen zählen wir die Bewegungsvorgängen innerhalb dieser drei Funktionskreise, die für die Sprachproduktion grundlegend sind:

-         Atmung

-         Phonation

-         Artikulation

-         unter dem funtionalen Gesichtspungkt werden diese Funktionskreise bezeichnet auch als:

-         Initiator (Atmung)

-         Generator (Phonation)

-         Modifikator (Artikulation)

-         die Atmung liefert den für die Rohschallgenerierung nötigen subglottalen Luftdruck

-         durch den Luftdruck werden die Stimmlippen im Kehlkopf in klangerzeugende Schwingungen versetzt

-         die geometrische Form des Rachen-, Mund- und Nasenraums ändert sich dann klangmodifizierend

 

Die Atmung

Die Atmung vollzieht sich aufgrund der räumlichen Ausdehnung bzw. der Verengung des Brustraums.

Beschreibung des Brustkorbs

-         die Rippen und das Zwerchfell bilden einen zylindrischen Raum (innen mit dem Rippen Rippen fell (pleura costalis) überzogen

-         die Lungen sind vom Lungenfell (pleura pulmonaris) überzogen

-         Beide Pleurae sind durch einen Flüssigskeitsfilm verbunden

 

Die Phonation

-         der Kehlkopf (hrtan) bildet den oberen Aubschluss der Luftröhre gegenüber dem Rachen- und Mundraum

-         der Kehlkopf – eine Ventilfunktion (dient zum Verschließen der Luftröhre gegenüber dem Eindringen von der Nahrung u.a.)

-         in der sprachlichen Kommunikation dient er der Phonation (= kontroliierte Stimmtonerzeugung durch die Stimmlippen)

-         die Stimmtonerzeugung im Kehlkopf erfogt durch die Schwingungen der Stimmlippen

 

Aus: http://www.uni-duesseldorf.de/muendlichkeit/Praxis-Tipps/Atmung.htm

 

 

Die Artikulation

-         die beweglichen Teile (Artikulatoren) des Ansatzrohres bestehen aus:

-         der Zunge

-         den Lippen

-         dem Unterkiefer

-         dem weichen Gaumen

-         dem Zäpfchen

-         dem Rachen

-         der Glottis

-         Artikulationsstellen:

-         die Oberlippe (labial)

-         die oberen Schneidezähne (dental)

-         die Alveolen (alveolar)

-         der harte Gaumen - das Palatum (palatal)

-         das weiche Gaumen – das Velum (velar)

-         das Zäpfchen (uvular)

-         die Rachenwand (pharyngal)

-         die Glottis (glottal)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vokalviereck aus: http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/laute1.htm

 

 

 

Aus: www.icphs2007.de/higgins/mund.html

 

 

Perzeptive Phonetik

 

Perzeptive Phonetik untersucht den Zusammenhang zwischen bestimmten Signalausprägungen und der Wahrnehumung von Versuchspersonen

 

Hörfähigkeit (Anatomie und Physiologie)

- das Gehörorgan - frei anatomisch und funktionell differenzierte Abschnitte:

a) das äußere Ohr - empfängt und verstärkt den Schall

b) das Mittelohr - mechanische Übertragung und Verstärkung

c) das Innenohr (hier das Cortische Organ) - hier das hydraulische System

 

- das äußere Ohr = die Ohrmuschel + der äußere Gehörgang; die Ohrmuschel unterstützt das Richtungshören, der äußere Gehörgang verstärkt die sprachakustisch wichtigen Frequenzen. Das äußere Ohr ist durch das Trommelfell abgeschlossen.

- das mechanische Apparat des Mittelohres dient der Signalübertragung zwischen dem freien Luftraum des äußeren Ohres und der Lymphflüssigkeit des Innenohres

- die Eustachische Röhre (mit dem Rachenraum verbunden) dient zum Luftdruckausgleich mit der Umgebung

- die mechanischen Teile des Übertragungsapparates des Mittelohres besteht aus dem Trommelfell, Hammer, Amboss (kovadlinka) und Steigbügel (tømínek)

- das eigentliche Gehörorgan (das Corti-Organ) befindet sich in der Schnecke (= Cochlea)

 

Übersicht über das äußere Ohr, Mittelohr und Innenohr. 

Aus: www.medizinfo.de/ohren/anatomie/anatomie.shtml

 

 

Die suprasegmentale Struktur lautsprachlicher Äußerungen

-         es geht nicht um einzelne segmentale phonetische Beschreibungskategorien; die Domäne des Einzellautes wird hier überschritten

-         es werden verschiedene phonetische Aspekte behandelt: Koartikulation, Silbenprosodie, Akzent, Intonation, Sprachrhythmus und Sprechtempo

 

Die suprasegmentale Struktur lautsprachlicher Äußerungen I.

Die Koartikulation

-         bis jetzt wurden die Laute einzeln betrachtet (wie der einzelne Laut gebildet wird u.a.)

-         beim Sprechen werden natürlich nicht die Laute einzeln und begrenzt ausgesprochen

-         das Sprechen ist kein Aneinanderreihen von einzelnen Stellungsphasen der Sprechorgane, sondern ein komplexes Bewegungskontinuum (von Zentralnervensystem geplant und koordiniert)

-         die Sprecheinheit entsteht daher aus einer flüssig ablaufenden Dauerbewegung; in dieser Dauerbewegung ist die Atmung, Stimmgebung und Artikulation komplex verbunden

-         dieser kontinuierliche Bewegungsablauf = Koartikulation

-         im zusammenhängenden Sprechen befinden sich sämtliche Sprechorgane in einer harmonischen Dauerbewegung

-         die Bewegungen der beteiligten Artikulationsorgane gehen gleitend (klouzavý) über, überlagern sich (pøekrývat se), deshalb entsteht eine relativ enge Verbindung der Laute, die Laute beeinflussen sich (die Bildung eines Lautes wird von den artikulatorischen Bewegungen für den folgenden Laut mitbestimmt)

-         beim Sprechen sind die einzelnen Bewegungsabläufe in einander verzahnt, sie bilden komplexe Verläufe

-         bei der Bildung einzelner Laute mit dem Durchlaufen bestimmter Einstellungen sind nie alle Sprechorgane effektiv beteiligt (die unbeteiligten Organe bereiten notwendig werdende Einstellungen vor)

-         Artikulationsorgane, die an der Bildung eines bestimmten Lautes nicht unmittelbar beteiligt sind, bereiten den folgenden Laut vor

-         z.B. beim Wort Lied bereiten schon die Lippen ihre Stellung schon für die Bildung des Vokals

-         die umgekehrte Tendenz – die Beeinflussung der Organeinstellung durch die Bildungsweise des vorangehenden Lautes – lässt sich am Wort Sieg beobachten (unter dem Einfluss der verschiedenen Einstellung des Zungenrückens für den Vokal wandert die Verschlussstelle des folgenden [k], diese Veränderungen heißen Angleichungen (Assimilationen)

= Koartikulation          = das Ineinadergreifen der einzelnen Artikulationsbewegungen beim Sprechen, das zu Modifikationen der Einzellaute führt

                            = Variation des Lauttyps im Lautkontext

                            = die gegenseitige Beeinflussung aufeinander folgender laute im Redestrom (z.B. die unterschiedliche Aussprache des [k] in Kiel, Kelle, Kohl, Kuhle)

 

Suprasegmentale Erscheinungen 2

-         die Prosodik (= suprasegmentale Erscheinungen wurden in der deutschen Grammatik in der Vergangenheit wenig beachtet)

-         das hängt mit der allgemeinen Vernachlässigung der Phonetik in der deutschen Grammatik

-         mit der Entwicklung der Grammatik (textlinguistischer und pragmatischer Gesichtspunkt) wird auch die Satzbetonung, Intonation und Pausierung beabsichtigt

 

Satzakzent, Rhythmus und Pausierung

a) Satzakzent

-         der Wortakzent kann als potentiell (virtuell) angesehen werden

-         er wird nur dann verwirklicht, wenn ein Wort im Satzzusammenhang stehen

-         Silben, die diesen potentiellen Akzent tragen, können im Satz betont werden, das heißt, sie können den Satzakzent bekommen

-         es gibt verschiedene Grade der Betonung (hauptbetont, nebenbetont, unbetont)

-         der Satzakzent wird in sogenannten Tongruppen verwirklicht

-         den Satzakzent bekommen normalweise die betonten Silben lexikalischer Wörter (Substantive, Adjektive, Verben, Adverbien)

-         Grammatikalische Wörter (= Funktionswörter) (Artikelwörter, Präpositionen, Hilfsverben, Konjunktionen, Modalpartikeln) bekommen in der Regel keinen Satzakzent

-         = Hervorhebung einer Silbe, eines Wortes oder einer Wortgruppe durch Tonhöhenbewebung, Intensität und Dauer gegenüber dem Lautkontinuum des Satzes

 

b) Rhytmus

-         Rhytmus spielt in der Sprache eine bedeutende Rolle

-         Rhytmus scheint mit der menschlichen Biologie fest verbunden zu sein (die Lebensfunktionen und die Physiologie des Menschen sind oft rhythmischen Charakters – z.B. Puls der Herzens, das Atmen...)

-         der Mensch überträgt Rhytmus auch in seine geistigen Produkte wie Musik und Dichtung

-         Deutsch und andere germanische Sprachen gehören zu den sogenannten akzentzählenden Sprachen

-         in den silbenzählenden Sprachen hängt die Länge des Sprechtaktes von der Zahl der Silben ab (die Zahl der Silben im Sprechtakt kann in verschiedenen Texten variieren)

-         Französisch, Italienisch, Finnisch

-         dieser Unterschied erklärt auch, dass germanische Sprachen einen Staccato‑Gehörseindruck hervorrufen, während romanische Sprachen in dieser Beziehung plastischer sind (z.B. im Französischen trägt eine Tongruppe (eine Phrase) in der Regel nur einen Satzakzent und vom Wortakzent kann keine Rede sein)

-         Satzakzente bilden auch die Stützsäulen, auf denen das Intonationsmuster des Satzes beruht

-         akzentueller Schwerpunkt des Satzes = der Nukleus

 

c) Pausierung

Pause = zeitweiliges Anhalten, Unterbrechen des Redestroms zur Gestaltung und Gliederung der Rede

-         es werden verschiedene Pausen unterschieden (disjunktive, konjunktive, kopulative u.a.) – unterschieden nach der Funktion

-         gleiche Texte werden von unterschiedlichen Sprechern mit unterschiedlicher Pausenverteilung produziert (dazu noch individuelle Atempausen)

-         Pausen haben aufmerksamkeitssteuernde Funktion

 

Suprasegementale Erscheinungen 3.

 

a)    Intonation

= Verlauf der Sprechmelodie

-         für die lautsprachliche Kommunikation ist nicht so sehr die absolute Tonhöhe von Bedeutung, als vielmehr die Form der Tonhöhenbewegung in Relation zur Frequenzlage des jeweiligen Sprechers

 

-         in linguistischer Funktion ist die Intonation nicht für sich isoliert zu betrachten

-         sie geht normalerweise Hand in Hand mit syntaktischen Unterscheidungen wie z.B. mit der Wortstellung im Deutschen

-         Aussage = final fallende Intonation (Phonetik ist interessant.)

-         Frage = final steigende Intonation (Ist Phonetik interessant?)

 

-         der Intonationsverlauf kann aber nach dem in der Kommunikationssituation gegebenem Zusammenhang sehr Unterschiedliches signalisieren

 

-         im weiteren Sinne gehören zur Intonation die miteineinander zusammenwirkenden primären Komponenten (Tonhöhenverlauf = Melodieverlauf, Lautstärke = Intensität, Dauer der Segmente (Quantität)

 

-         die Gliederung zwischen den Abschnitten der Rede wird durch die Tonbewegung markiert (Schwerpunkt tritt hervor durch stärkeren Druck, Erhöhung des Tons und Verlansamung der Tempos)

 

= Intonation ist die Art und Weise, wie ein Satz stimmlich realisiert wird

 

-         Intonatinsmuster:

a)  fallende MelodieSignal für Abgeschlossenheit

b)    steigende Melodie – Signal für Frage

c)     leicht fallender oder leich steigender Melodieverlauf – Signal für Nichtabgeschlossenheit

 

  

Intonation im deutschen Satz

-         innerhalb eines Satzes kann der Höhepunkt je nach Zusammenhang an verschieden Stellen liegen

-         Aussagesatz – Er   hilft   mir.

 -         Ergänzungsfrage – Wie  spät  ist  es?

 -         Entscheidungsfrage Darf  ich  das  tun?    oder Darf  ich  das  tun?

 -         Nachfrage Wann  gehst   Du?   Um   drei?

 

 

b) Sprechgeschwindigkeit

-         die normale Sprechgeschwindigkeit entspricht ungefähr einer Rate von fünf bis acht Silben pro Sekund (= ca. zehn bis fünfzehn Laute pro Sekunde)

 -         bei sehr schnellem Sprechen – 400 Wörter pro Minute

 -         das Sprechtempo ist stark von der Sprechsituation abhängig

 -         die Untersuchungen zeigen, dass der Sprecher sich in seinem Sprechtempo vom gedanklichen Gehalt und der Gefühlswertigkeit führen lässt

 -         Sprechtempo ist der Spiegel der Denk- und Gefühlsabläufe, der Ausdruck innerer Bewegung

-         Sprechtempo steigt an, wenn der Sprecher überzeugen will

-         das Neue und für den Partner Wichtige wird langsamer gesprochen, d.h. die temporale Struktur des Redestroms folgt meist den Prinzipien der inhaltlichen Sprachgestaltung

 

Phonetik in Deutsch als Fremdsprache

-         die Bedeutung grundlegender Fertigkeiten im Hören und (Aus‑)Sprechen für die Aneignung der Fremdsprache und für die Kommunikation wird nach wie vor unterschätzt

-         Der Platz der Phonetik im Unterricht muss erst noch bestimmt werden. Auch die Grundfrage, ob die Ausspracheschulung Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts sein soll, ist offensichtlihc noch immer nicht beantwortet.

-         Prüfungsordnungen (z.B. das Zertifikat Deutsch als Fremdsprache) klammert die Phonetik aus.

-         Neue segmentale und suprasegmentale Formen zu erkennen und zu erlernen, verlangt mehr als eine Gedächtnisleistung, ist mit physiologischen Umstellungen und psychischen Belastungen verbunden (Entwicklung neuer Hör- und Sprachverarbeitungsverfahren, neuer Artikulationsbewegungen, Aufbau neuer Sprech-Denk-Prozesse).

-         Man sollte verschiedene äußere und innere Bedingungen beabsichtigen (Sprachstand, Zielsetzung, Zielgruppe, konkreter inhaltlicher Schwerpunkt u.a.)

-         Es gibt verschiedene Übungs-Formen:

a) kontrollierbare/nichtkontrollierbare Hörübungen

b) thematische/situative Nachsprech-, Lese-, Ergänzungsübungen

c) kommunikative und kreative Übungen

d) spielerische Elemente

(Phonetikübungen sollten, nicht nur weil sie viele Male wiederholt werden müssen, Spaß machen.)

- Alle Formen der Übung und Kontrolle sollen dazu beitragen, die Lernenden zu motivieren und zu sensibilisieren, d.h. der Lehrer sollte einfühlsam korrigieren, Fortschritte demonstrieren, absechslungsreich, kenntnisreich und geschickt vorgehen.

 

 

 

 

 

 

 

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